Starke Gefühle sind normal – entscheidend ist, wie Kinder damit umgehen. Wir beginnen mit kindgerechter Psychoedukation: Welche Gefühle gibt es? Wie fühlen sie sich im Körper an (Herzklopfen, „Kloß im Hals“, kribbelnde Hände)? Welche Auslöser lassen Wut, Angst oder Rückzug entstehen? Auf dieser Basis üben wir das Benennen von Gefühlen und das Erkennen früher Warnsignale, damit dein Kind rechtzeitig gegensteuern kann, bevor es „zu spät“ ist.
Im nächsten Schritt vermitteln wir konkrete Werkzeuge für den Alltag. Dazu zählen Atemtechniken (z. B. Box-Breathing 4-4-4-4 oder „Kerze pusten“), eine klare Stopp-Strategie (Handzeichen + inneres „Stopp!“), Selbstinstruktionen („Ich schaffe das in kleinen Schritten. Erst eins, dann Pause.“) und Handlungsalternativen bei Wut oder Überforderung. Mit visuellen Hilfen – Gefühlsskala, Ampel (Grün/Gelb/Rot), Schritt-Karten, Timer – wird Verhalten vorhersagbarer und leichter steuerbar. Ein „Wenn-dann“-Plan (z. B. „Wenn ich merke, dass ich laut werde, dann hole ich 3 tiefe Atemzüge, drücke meinen Stressball und bitte um 2 Minuten Pause.“) macht das Vorgehen glasklar. Für sensorische Entlastung richten wir – je nach Kind – eine kleine Beruhigungsroutine ein: kurze Bewegungs- oder Druckreize (Wandstütz, Igelball, Schultern drücken), ein definierter Ruheplatz oder leise Musik.
Damit das nicht nur in der Therapie klappt, üben wir Übertragung in Alltagssituationen: Streit um Spielzeug, Aufgabenstart, ungeplante Wechsel, Lärm in der Klasse. Wir gestalten Mini-Übungen (2–5 Minuten), die zu Hause leicht einzubauen sind, und nutzen Erfolgstagebücher oder Stickerpläne, um Fortschritte sichtbar zu machen. Eltern erhalten klare Leitplanken für Co-Regulation: ruhig bleiben, kurz und konkret anleiten, eine Strategie anbieten, Erfolge sofort verstärken – und danach gemeinsam reflektieren („Was hat geholfen? Was probieren wir morgen?“).