Ergotherapie nach Schlaganfall: Hand, Arm und Alltag Schritt für Schritt zurückerobern

Logopädie für Pflegeheime

Inhaltsverzeichnis

Ein Schlaganfall verändert das Leben von einer Sekunde auf die nächste. Häufig sind die Hand, der Arm und grundlegende Alltagshandlungen wie Anziehen, Kochen oder Schreiben betroffen. Ergotherapie nach Schlaganfall setzt genau dort an: Sie hilft, verlorene Fähigkeiten zurückzugewinnen und den Alltag wieder selbstständig zu meistern. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Therapiebausteine und zeigt, warum die Kombination mit Logopädie besonders wirksam ist.

Was passiert nach dem Schlaganfall mit Hand und Arm?

Bei vielen Schlaganfallpatienten ist eine Körperhälfte von Hemiparese (Halbseitenlähmung) betroffen. Die Hand kann nicht mehr greifen, der Arm lässt sich nicht mehr gezielt bewegen, die Sensibilität ist eingeschränkt. Darüber hinaus können Neglect (Nichtbeachten einer Körperseite), Apraxie (gestörte Handlungsplanung) oder kognitive Defizite den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Ergotherapie vs. Physiotherapie: Was macht was?

Physiotherapie konzentriert sich auf Mobilität, Kraft und Gleichgewicht – also darauf, dass Sie sicher stehen und gehen können. Ergotherapie setzt bei konkreten Alltagshandlungen an: Wie öffne ich eine Flasche? Wie knöpfe ich mein Hemd zu? Wie organisiere ich meinen Tag? Beide Therapien ergänzen sich und sollten idealerweise parallel laufen.

Therapiebausteine in der Ergotherapie

Greif- und Manipulationstraining

Mit realen Gegenständen – Flaschen, Besteck, Knöpfe, Stifte – trainieren wir gezielt die Handfunktion. Unterschiedliche Griffarten (Grobgriff, Pinzettengriff, Schlüsselgriff) werden systematisch geübt und in Alltagssituationen übertragen.

Spiegeltherapie

Ein Spiegel wird vor die Körpermitte platziert, sodass die gesunde Hand gespiegelt wird und das Gehirn die Illusion einer funktionierenden betroffenen Hand erhält. Diese Technik aktiviert gezielt Hirnregionen, die für die motorische Steuerung zuständig sind, und kann Bewegungsanbahnung und Schmerzreduktion fördern.

ADL-Training (Activities of Daily Living)

Anziehen, Waschen, Küchenroutinen, Bad-Sicherheit, Transfers – im ADL-Training üben wir genau die Handlungen, die Sie im Alltag brauchen. Das Training kann in der Praxis oder bei Ihnen zu Hause stattfinden, damit der Transfer in die eigene Umgebung gelingt.

Hilfsmittelberatung

Greifhilfen, Duschsitz, Anziehhaken, rutschfeste Unterlagen – die richtigen Hilfsmittel können den Alltag enorm erleichtern. Wir beraten, welche Hilfsmittel sinnvoll sind, und trainieren den Umgang damit.

Sensibilitäts- und Kraftaufbau

Gefühlsstörungen in der Hand werden mit gezieltem Sensibilitätstraining behandelt – unterschiedliche Materialien, Temperaturen und Texturen helfen dem Gehirn, die Wahrnehmung neu zu kalibrieren. Parallel bauen wir Kraft dosiert auf, ohne zu überlasten.

Warum Ergotherapie und Logopädie zusammengehören

Viele Schlaganfallpatienten haben neben motorischen auch sprachliche Einschränkungen – Aphasie (Sprachverlust), Dysarthrie (undeutliches Sprechen) oder Dysphagie (Schluckstörung). In unseren Praxen arbeiten Logopädie und Ergotherapie unter einem Dach und stimmen ihre Therapiepläne aufeinander ab. So wird die neurologische Rehabilitation ganzheitlich – Sprache und Motorik werden parallel behandelt.

Wann mit Ergotherapie starten?

Früh beginnen ist entscheidend. In der Akutphase (Krankenhaus) starten erste Übungen oft schon innerhalb weniger Tage. In der stationären Rehabilitation (Rehaklinik) wird die Therapie intensiviert. Nach der Entlassung übernimmt die ambulante Ergotherapie – hier kommen wir ins Spiel. Je nahtloser der Übergang, desto besser die langfristigen Ergebnisse.

Mehr erfahren

Ausführliche Informationen zu verwandten Themen finden Sie auf unseren Seiten zu Hemiplegie, Sensibilitätsstörungen, Neglect, Apraxie, Hirnleistungsstörungen und Schlaganfall.

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